Verraten und Verkauft

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Sie wurden schnellen Schrittes durch die dunklen Gänge der unterirdischen Labyrinthe geführt. Begleitet von sechs Orks mit gezückten Waffen, die als Wächter vor und hinter den beiden Personen fungierten. Zum dritten mal schon schritt das Duo diesen vermodert riechenden, feuchten Tunnel hinauf, doch immer noch fühlte Sahem Unbehagen, sich den Launen des Orkhäuptlings auszuliefern. Tröstend spürte er die harte Klinge seines Zauberdolches in einem Geheimversteck des rechten Stiefels. Falls diesmal irgend etwas schief lief, hatte er auf jeden Fall die Möglichkeit sich zu wehren. Auch Gom, er wagte einen flüchtigen Blick nach hinten und schaute beruhigt in das dämlich grinsende Gesicht, würde nicht kampflos untergehen. Nicht die richtige Umgebung für ihn dachte sich Sahem El Fatum als er beobachte wie sich der zweieinhalb Fuß große Koloss durch den engen Stollen zwängte. Halb geduckt, bemühte sich der Riese seinem Partner durch die engen Gänge zu folgen. Irgendwie mochte Sahem diesen Trottel, der zwar als die Götter Intelligenz verteilten, verdammt schlecht abgeschnitten hatte, dafür aber durch die Körperkraft mehr als entschädigt wurde. Vor drei Jahren hatte Gom ihm während einer Kneipenschlägerei das Leben gerettet, woraufhin Sahem beschloss sein Vertrauen zu gewinnen und sich somit einen mächtigen Beschützer zu sichern.
Ernst erwiderte er Goms heiteren Blick, schaute dann wieder nach vorne und ging in Gedanken noch einmal seinen Plan durch.
Nach zirka einer viertel Stunde endete der steile Aufstieg und die kleine Gruppe erreichte endlich den bewachten Kerkereingang der Festung. Sahem lehnte sich mühsam atmend an die bemooste Steinwand und wartete geduldig, bis ihre orkischen Begleiter den Durchaß mit dem Wachposten aushandelten. Seinen wachsamen Augen entging es nicht wie die Orkwachen angsterfüllt auf den riesigen Gom schielten und in brüllendem Orkisch wild gestikulierten. Scheinbar wollten sie ihn nicht passieren lassen. Sahem machte sich auf Ärger gefasst.
Gom dagegen bekam von der ganzen Sache gar nichts mit. Er starrte geistesabwesend an die Decke und streckte seine verspannten Glieder.
Ein Ork, in dem Sahem den Führer, erkannte, der sie durch das Tunnellabyrinth leitete, löste sich aus der Gruppe und kam auf ihn zu. "Khart'esch sagen", er deutete auf einen der Wächter, "Häuptling verboten Großen Mann reinlassen." Voller Unbehagen blickte er in Goms Richtung. "König sagen Großer Mann hier warten, du reingehen." Verdammt, dachte sich Sahem, die Sache fängt gar nicht gut an. Natürlich wäre Goms Anwesenheit bei den Verhandlungen ein wirkungsvolles Druckmittel, doch er wusste auch, das eine Aktion, die des Königs Autorität in Frage stellt - in diesem Fall ein Widerspruch - die Sache sofort aus dem Ruder laufen lassen würde und die Zusammenarbeit mit den Orks würde scheitern. Sahem hat mal miterlebt, wie der geisteskranke Herrscher über die Orkstämme, einen seiner Untergebenen hinrichten ließ, weil dieser es wagte bei Seite zu schielen als ihm der Häuptling Befehle erteilte. Es war eine heikle Angelegenheit, denn es war auch sehr gewagt alleine, ohne schützende Begleitung, vor den König zu treten. Entgegen aller logischen Argumente, traf Sahem eine risikoreiche Entscheidung, nickte dem wartendem Ork stumm zu und dachte angestrengt darüber nach, wie er es Gom klarmachen sollte, das dieser nicht mit darf.

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