Das Buch ohne Namen

Ein Buch ohne Titel und ohne jeglicher Erwähnung eines Autors? An sich schon sehr ungewöhnlich. Schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass jeder, der das Buch in die Hände bekommt und darin ließt, am nächsten Morgen tot aufgefunden wird. Und das Buch? Das findet auf sonderbare Weise immer einen Weg um zu seinem nächsten Opfer zu kommen. Doch bei seinem letzten Opfer, hatte sich das grauenhafte Buch verschätzt und gelangte an einen Sammler der sehr wohl die Mythen um das Buch kannte und sich akribisch auf sein Treffen mit diesem grauenhaften Artefakt vorbereitet hatte. In jahrelanger Arbeit rekonstruierte dieser den Lebenslauf des besagten Buches von der Gegenwart aus fast drei Hundert Jahre in die Vergangenheit. Auch die meisten Opfer konnte er identifizieren. Er schwor sich, dass sobald er da Buch in den Händen halten würde, er dieses Werkzeug des Bösen sofort und für alle Zeiten vernichten würde. Als er das Buch schließlich fand, hatte er nicht den Mut diesen finalen Schritt auszuführen. Stattdessen sperrte er es sicher in einem Gewölbe innerhalb uralter Katakomben unter seinem Landhaus ein, welches er speziell für diesen einzigartigen "Gefangenen" vorbereitet hatte.
Jahre vergingen. Der Sammler fand nach seiner erfüllten Lebensaufgabe erstaunlich gut ins normale Leben zurück. Er heirate seine Jugendliebe, die all die Jahre so viel Verständnis für seine Suche nach dem Artefakt aufgebracht hatte, bekamen Kinder – zwei wunderhübsche und intelligente Töchter – und führte von da an ein ruhiges Leben als leitender Beamter einer kleinen, eher unwichtigen Behörde.
Jahre vergingen, die Töchter wuchsen heran, entwickelten sich prächtig und machten ihre Eltern sehr stolz. Durch die Verkettung von unglücklichen Zuständen jedoch, erlangte eine der inzwischen zwölfjährigen Töchter Zugang zu dem Gewölbe mit dem verfluchtem Buch – und las darin. Sie starb noch in der selben Nacht. Doch das boshafte Ungeheuer, welchen in Form eines Buchen in die Welt der Sterblichen gebracht wurde, konnte nicht genug bekommen und holte sich noch die verbleibende Schwester und die Mutter.
Als der Sammler von einer zweiwöchentlichen Geschäftsreise nach Hause kam und die Tragödie entdeckte, drehte er durch. Er brachte die drei leblosen Körper seiner geliebten Familie in das Gewölbe, versiegelte den Zugang und schlug das verfluchte Buch auf...
Viele Abenteurer und Antiquare versuchten seit dem einen Zugang zu dem besagten Gewölbe zu finden, doch besher ohne Erfolg. Die meisten kamen durch die schrecklichen Fallen ums Leben, die vom Sammler in den Katakomben installiert wurden. Alle, die nach Tagen des Verschwundenseins doch wieder an die Erdoberfläche zurück fanden, hatten sich verändert. Keiner der Rückkehrer verriet, wie weit er dort unter gekommen war und was er erlebt hatte – die meisten waren derart verstört, dass sie ihr restliches Leben vorsichherstarrend und sinnlosbrabbelnd in verschiedenen Heilanstalten für Nervenkranke dahin vegetierten.
Das Buch jedoch befindet sich immer noch dort in den Katakomben – an einem Ort, der jedem bekannt ist, jedoch von niemandem zu erreichen ist.
Übrigens, der Name dieses unglücklichen Sammlers war Johann von Hombus.

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