Sascha der Pascha

Alex Wander hat das, wovon die meisten Männer träumen: er lebt mit drei Frauen zusammen. Mit drei äußert attraktiven und höchst heterosexuellen Frauen! Und das Beste daran, er war schon mal mit jeder von ihnen im Bett! Doch genau hier liegt das große Problem.

"Lehnen Sie sich zurück, machen Sie eine Flasche Wein auf und legen Sie sich eine Familienpackung Taschentücher bereit. Glauben Sie mir, es wird eine lange Nacht. Andreas Ganje's Debüt ist eine rasante Geschichte aus dem ganz normalen Leben, gespickt mit scharfsinnigem Witz und beißendem Humor. Ein erfrischendes Stück Literatur, ganz genau wie Sie es mögen - und brauchen." (Nu Yark Times)


Hallo. Mein Name ist Alex und ich bin dreißig Jahre alt. Nach meinem Studium hatte ich eine gemütliche Stelle bei der Werbeagentur meines Onkels bekommen und führte ein ruhiges und rundum beschauliches Leben - ganz genau so, wie ich es mir schon immer wünschte. Ach ja, und eine Freundin hatte ich natürlich auch. Wenigstens bis zu diesem besinnlichen Weihnachtsabend, als wir uns erneut gestritten hatten und zum zwanzigsten Mal innerhalb von vier Jahren Schluss gemacht hatten. Soweit so gut. Und eigentlich hätte ich mit dem Thema "Frauen" an diesem Punkt meines, eher von bescheidener sexueller Erfahrung geprägten Lebens endgültig Schluss machen sollen. Doch wie sooft kam es anders.

Der Streit kam eine Stunde vor unserer Betriebsfeier auf. Besser gesagt meiner Betriebsfeier. Lisa sollte mich dorthin begleiten, doch einer kleinen Unmut folgend zickte sie herum und wartete - wie es die Natur der Frau ist - auf ein Entgegenkommen meinerseits. Ich kannte ihre Erwartungen und kam diesen auch regelmäßig nach, doch diesen Abend wollte ich mir die gute Laune nicht verderben lassen und gestand mir eine gehörige Portion Störrischkeit zu. Die beiden Wellen prallten mit voller Wucht aufeinander und keine Seite gab nach. Es endete, wie es meistens bei uns endete, mit dem Schluss machen. Lisa schrie mich ungehalten an, machte obszöne Gesten und schimpfte mich einen unsensiblen Scheißkerl.
Wie sooft in solchen Situationen voller tief gehender Gefühle und zügellosem Temperament ihrerseits, machte meine Wahrnehmung dicht und die Gedanken schweiften in philosophische Sphären ab. Unsensibel? - dachte ich mir. Natürlich, was denn sonst. Wie kann jemand nach vier Jahren Ehe ähnlichem Aufeinanderhockens und dauerhaftem Gestreite von mir Sensibilität erwarten? Ich sage ja auch nicht zu ihr: Schatz, könntest du bitte genau so aussehen, wie am ersten Tag als wir uns kennen lernten. An dem Tag, als ich mich an deinem Körper nicht satt sehen konnte und alleine der Gedanke an diesen, mir eine unheimliche Regung zwischen den Beinen bescherte. Schatz, weg mit diesen zehn Pfund um die Arschbacken - bitte.
Aber tue ich sowas? Natürlich nicht! Denn wie kann jemand einen ernsthaften Vergleich zwischen dem Anfang und dem Ende einer Beziehung, bezüglich der Gleichheit der Gefühl und des Verhaltens dem Partner gegenüber verlangen? Dies ist einfach unmöglich...
Plötzlich riss mich ein altbekannter Satz aus meinen Gedanken: "Es ist Schluss! Ich verschwinde!”, schrie Lisa aus vollem Hals - denn die Nachbarn sollten an diesem besonderen Ereignis ja auch teilhaben. "Diesmal ist es endgültig Schluss, du Arsch! Das verspreche ich dir!”
Sie schnaubte - was mich ein ganz wenig an die Stiere in den spanischen Kampfarenen erinnerte -, drehte sich mit zusammengekniffenen Augen auf dem Absatz um und rauschte aus der Wohnungstür. Natürlich knallte sie mit der Tür.
Ich gähnte und zuckte innerlich mit den Schultern. Ich habe diese Szene schon sooft erlebt, dass sie mich in keinster Weise mehr berührte. Ich ging ins Schlafzimmer, holte meine Jacke und verließ die Wohnung. Doch nicht ohne zuvor mit erbauender Schadenfreude festzustellen, dass Lisa ihren Haustürschlüssel in auf der Kommode in der Diele vergessen hatte.
An die letzte Weihnachtsfeier denkend, ließ ich meinen Wagen in der Tiefgarage und lief die wenigen Meter zum nächsten Taxistand.

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