Das Bett

Folgende kleine Geschichte haben wir uns heute gemeinsam mit Lian ausgedacht. Smiley


Es gab einmal einen kleinen Jungen. Dieser Junge wollte nie in seinem eigenen Bett schlafen. Jedes Mal wenn es dunkel wurde, krabbelte er aus seinem Bett heraus, schlich sich in das Schlafzimmer seiner Eltern, legt sich dort heimlich unter die Decke und schlief ein. Dieser Junge macht dies als er ein Jahr alt war. Er machte es als er zwei Jahre wurde. Mit drei Jahren tat er es immer noch. Und auch mit vier Jahren hatte sich immer noch nichts verändert.
Sein Bett indessen wurde immer trauriger. Es fühlte sich sehr einsam und ungeliebt. Eigentlich war es ein sehr schönes Bett. Es war aus Eichenholz, weiß lackiert, mit langen Beinen und einer Kletterleiter an der Seite, denn es war ein Hochbett. Anfang dachte das Bett, dass der Junge sich ändern würde und öfters in ihm schlafen würde, doch dies trat leider nicht ein. Und so hatte das Bett irgendwann genug. Eines Nachts schlich es sich ganz leise aus dem Haus. Dann klapperte es die Straße hinunter zu einer Bushaltestelle. Als der müde Busfahrer einen Moment unachtsam war, stieg das Bett ganz hinten in den Bus ein und fuhr einige Haltestellen mit. Am Flughafen stieg es aus, galoppierte zu den riesigen Anzeigetafeln mit den Flügen. Es suchte sich einen Flug aus, hüpfte verstollen von einem Versteck zu nächsten und schlich sich so unbemerkt an das richtige Flugzeug. Kurz bevor die Ladeluke schloss, sprang das Bett auf und flog mit dem Flugzeug auf und davon.
In der Zwischenzeit wurde es Morgen und der Junge war aufgewacht. Er verließ das Bett seiner Eltern und wollte in seinem Zimmer spielen. Dort angekommen merkte er, dass irgendetwas nicht stimmte. Er sah sich um und dann fiel ihm auf, dass sein Bett fehlte. Er und seine Eltern suchten im ganzen Haus nach dem verschwundenen Bett, doch egal wo sie schauten, das Bett tauchte nicht auf.
Einen Tag später flog das Flugzeug mit dem Bett über Afrika. Dort, hatte das Bett mal gehört, gab es in manchen Dörfern arme Familien, in denen die Kinder zu fünft, zu siebt und manchmal sogar zu zehnt in einem Bett schliefen. Genau dorthin wollte das Bett und als das Flugzeug gerade ein kleines Dorf mitten in der Wüste überflog, schnallte sich das Bett einen Fallschirm an, öffnete die Laderampe ein Stück und sprang aus dem Flugzeug.
Sanft schwebte es runter, denn Betten waren tolle Fallschirmspringer und landete mitten auf dem Dorfplatz. Viele Kinder und Erwachsenen kamen angerannt und bestaunten voller Freude das tolle neue Bett. Weil jeder das schöne Bett gern hatte, hatten sich die Bewohner des Dorfes abgesprochen, so dass jeder einmal in ihm schlafen durfte. Und hat der letzte Bewohner seine Nacht in diesem Bett verbracht, durfte wieder der erste darin schlafen. So fand das Bett genau dass, was es sich schon immer gewünscht hatte: einen Ort mit Menschen, die das Bett mochten und es gut behandelten.
Der Junge dagegen wurde wieder ein Jahr älter und war ab da bereits zu alt um immer noch bei seiner Mama und seinem Papa zu schlafen. Er musste fortan nachts in seinem Zimmer bleiben. Da er jedoch kein Bett mehr besaß, blieb ihm nichts anderes als auf dem kalten nackten Boden zu schlafen.

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