Der Schleim

Eine einsame Gestalt stand in der dunklen Ecke einer verlassenen Seitengasse. Das hastige Umherblicken zeigte deutlich die angespannte Stimmung des Wartenden. Kein Wunder, dass der Herr mittleren Alters so nervös war, denn eigentlich war es nicht die Art von Gegend, in der er sich aufzuhalten pflegte. Diese verlassenen Stadt, mit all ihren einstöckigen Betonbaracken stand schon seit mehr als einem Jahrzehnt leer. Ratten, Schlangen und Skorpione kämpften seit dem Verfall des ehemaligen Goldgräberstädtchens um das Anrecht auf diese trostlose Ansammlung von grauen Würfeln. Inzwischen glaslose Fensterrahmen blickten tagsüber verloren auf die zahllosen gelben Sanddünen der grenzenlosen Wüste rund um die schmucklosen Gebäude. Irgendwo da draußen sind die versiegten Goldminen, dachte sich der fehlplatzierte Besucher, konnte in der undurchdringlichen Dunkelheit einer mondlosen Nacht die genaue Richtung aber nicht bestimmen. Krampfhaft suchte er nach einem Weg um seine Gedanken an die Umgebung um ihn herum zu verdrängen. Seit seiner Geburt an war er ein Mensch der grellen und überfühlten Metropolen gewesen. Dort, wo es nie Nacht zu sein schien. wo nach dem Untergang der Sonne die allgegenwärtigen Neonreklamen die nie versiegende Menschenmasse hell beleuchtete, genau dort fühlte er sich am wohlsten. Doch hier, dem genauen Gegenteil seiner eigentlichen Welt, fror er und fühlte sich so, wie seit seiner elternlosen Kindheit nicht mehr - einsam und verloren.
Er drückte eine kleine Taste auf seiner teuren Armbanduhr und mehrere digitalen Zahlen erhellten kurzzeitig sein glatt rasiertes Gesicht. 23:20 Uhr. Noch zehn Minuten bis der unbekannte Anrufen eintreffen sollte. Eine lange Zeit in dieser lichterlosen Einöde. Herold Brick zog den langen Mantel fester um seinen dürren Körper und lehnte sich gedankenversunken an eine raue Hauswand.

. . .

Kommentare
© 2000-2019 ganje.de