Väter

Wenn es um Schwangerschaft und Kinderhaben geht, ist immer nur die Rede davon wie sich alles für die Frau verändert und was sie ab dem Zeitpunkt der Geburt alles entbehren muss. Denkt da aber jemand an uns: Männer? Nur in den ganz seltensten Fällen! Nun, meine Herren, dieses Buch ist für uns - für die stillen Helden im Hintergrund. Für all die Batmans und Spidermans, die selbstlos und aufopfernd aus dem Hintergrund operieren und alles am Laufen halten. Glücklicher Weise koordinieren und agieren wir derart geschickt im Verborgenen und sind dabei so beispiellos bescheiden, dass unsere Heldentaten kaum an die Öffentlichkeit - sprich: von der eigenen Frau bemerkt werden - gelangen und uns der verdiente Ruhm nicht gewährt wird. Doch wir stehen über solchen profanen Dingen - wir sind einfach da und wachen über unseren Geliebten.

Die Geschichte beginnt, wie sie meistens beginnt. Mann kommt heim, Frau ist extrem guter Laune - wie übrigens schon seit Wochen nicht mehr - strahlt bis über beide Ohren und platzt sogleich mit der Neuigkeit heraus: Schatz: ich bin schwanger.
Stille... Wenigstens außerhalb des männlichen Gehirns, denn dort drin geht es so richtig rund.

Doch bis wir dieses Chaos in unserem Kopf ordnen können, sehen wir wie die Mundwinkel unserer Angebeteten ganz langsam der Schwerkraft folgen. Eine Alarmglocke in unserem Kopf schrillt ganz laut. Doch was sollen wir machen? Wir Männer sind serielle Typen und arbeiten vorzugsweise nach dem FIFO-Prinzip - First In First Out. Die Mundwinkel der Dame erreichen inzwischen den absoluten Tiefpunkt und wir laufen unter Vollast, doch Ergebnisse lassen auf sich warten. Wir versuchen total abgedrehte Dinge, etwas was wir noch nie in unserem Leben taten: wir priorisieren die Aufgaben in der mentalen Warteschlange - oder versuchen dies. Eine Antwort oder wenigstens irgendeine Reaktion muss her, doch bei all dem Druck und den ungewohnten Aufgaben, bricht unsere zentrale Steuereinheit zusammen und es dampft und raucht an allen Ecken und Enden, doch es ist zu spät. Wenigstens sind wir nun auf einer Wellenlänge mit unserer Frau, denn auch sie raucht und dampft inzwischen und fängt an zu weinen, zu toben und wirft uns zwischen zwei Schluchzern ein Du-willst-das-Kind-nicht an den Kopf. Will man sie in den Arm nehmen und erkläre, dass sie unser Verhalten missversteht, kann man von Glück reden, wenn dieser Versuch nicht zu einem Krankenhausaufenthalt führt - mit uns als Patienten. Ja, Frauen können wirklich ungeheure Kräfte entwickeln, und dies sogar schon vor dem Kreißsaal. Irgendwie - da hat so jeder seine eigene Taktik- schaffen wir es dann doch, unserer Geliebten unseren Standpunkt zum Baby klar zu machen und unsere Welt füllt sich wieder mit Blümchen und Regenbögen. Aber nicht für lange...

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