Des Steines Wunsch

Am Wegesrand ganz tief in der staubigen Sandwüste lag ein einsamer Stein. Er lag dort schon seit Jahrtausenden und sein größter Wunsch war es einmal die Welt zu bereisen, viele abenteuerliche Orte zu sehen und neue Freunde zu gewinnen. Doch da er wirklich schwer und sehr unförmig war, konnte er sich aus eigener Kraft nicht bewegen. Eines Tages bat er den vorbeiziehenden Wind darum, ihn mit der mächtigen Kraft der Luft zu unterstützen. Der freundliche Wind wollte dem unglücklichen Stein helfen und willigte sofort ein. Er wehte und stürmte und gab sein Bestes, doch auch nach mehreren Stunden mühsamer Arbeit, konnte er den Stein um keinen Millimeter bewegen. Höfflich entschuldigte sich der Wind und bot dem niedergeschlagen Stein an, einen Freund, den Regen zu holen. Möglicherweise würden beide gemeinsam dem Stein helfen können. Der unglückliche Stein schöpfte neue Hoffnung und wartete geduldig.
Nach einigen Tagen blitzte es plötzlich am Horizont und ein riesiger dunkler Schatten bewegte sich langsam auf den Stein zu. Als dieser Schatten näher kam, erkannte der Wartende den Wind wieder, auf dessen Schultern sein Freund, der immer traurige Regen saß. Gemeinsam versuchten die Beiden den schweren Stein zu verschieben. Der Regen setzte die Umgebung unter Wasser und versuchte so den Stein wegzuschwemmen. Der mächtige Wind blies und stürmte und zog und drückte. Doch so sehr sie sich bemühten, klappte es nicht. Nun gab der Stein alle Hoffnung auf und weinte fürchterlich.
Wieder vergingen einige Tage. Doch diesmal blieben der Wind und der Regen bei dem Stein. Sie trösteten ihn und dachten über Wege nach, dem Stein zu helfen. Auf einmal fing die Erde zu Beben an und wie aus dem Nichts kam das ernste Erbeben. Es hörte vom Weiten das Weinen und Flehen und kam vorbei um nachzuschauen wer da Hilfe benötigte. In wenigen Sätzen erklärte ihm der Wind um welches Problem es sich hier handelte. Das weise Erdbeben überlegte kurz und fragte den Stein wie wichtig ihm dieser Wunsch wäre. Daraufhin erwiderte der trostlose Stein, es gäbe nichts, was er nicht auf sich nehmen würde damit sich sein Wunsch erfühle. Auch den Tod fürchte er nicht. So sei es, meinte das Erdbeben und beriet sich flüsternd mit dem Wind und dem Regen. Diese waren mit der Idee des geduldigen Erbebens einverstanden und legten sofort los.
Der Regen blies sich auf und wurde zu einem tobenden Sturm. Dann warf er ununterbrochen mit glühenden Blitzen. Diese trafen den armen Stein immer wieder und schlugen große Brocken aus seinem Körper. Das Erdbeben lies die Landschaft erzittern und schüttelte diese Steinbrocken mit aller Kraft. Die Steinbrocken rieben aneinander und wurden immer kleiner. Alsbald sah man an der Stelle, wo einst der riesige Stein lag, nur einen großen Haufen Steinchen. Kurze Zeit später wurden sie zu Kieseln, dann zum Sand und schlussendlich lag dort nur ein gewaltiger Berg Staub.
Nun war der Wind an der Reihe. Er packte den ganzen Staub und flog los. Er flog über goldene Wüsten und kristallblaue Meere. Er flog über smaragdgrüne Wälder und schneebedeckte Berggipfel. Er flog über weitläufige Städte voller winziger Menschen und durch düstere Moore, wo ein schlaues Lebewesen nie seinen Fuß hinsetzen würde. Und überall, wo der Wind vorbei flog, ließ er etwas Staub darüber rieseln. Es dauerte nicht lange und der ganze Staub war verbraucht, doch da kam der Wind auch schon wieder an der Stelle an, von der aus er einst startete. Nun war des Steines Wunsch erfüllt, er war überall auf dieser Welt. Die drei Helfer freuten sich für den Stein, verabschiedeten sich leichten Herzens und gingen ihrer Wege.

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