Die Hetzjagd

Langsame erhob der blasse Mond und brachte finstere Schatten in die kalten Betonschluchten. In den entarteten Wäldern rund um die verlassene Metropole setzte erneut das allnächtliche Geheul der glutäugigen Kreaturen ein. Sie kamen bei Dunkelheit und jagten im Rudel. Sie spielten mit ihren Opfern, hetzten die Beute so lange, bis diese gleichgültig vor Müdigkeit und taub vor Angst aufgab und in einem Anfall von Schwäche zu Boden fiel. Dann schleppte die gruasamen Jager das arme jammernde Geschöpf zu einer offenen Stelle, zu einem Platz, der von den zerfallene Wolkenkratzern rundum gut sichtbar war. Denn sie wussten, dass unzählige Augen aus ihren getarnten Unterschlüpfen voller Schrecken das folgende Schauspiel beobachten würden. Sobald einer der passiven Betrachter den Kopf verlor und schrie, hatte die Meute die Richtung, in der sich ihr nächster Fang befand.
Wenn der Gejagte wieder zu sich kam, war der Ablauf immer ähnlich. Falls bei der Verfolgung nicht schon geschehen, passierte es jetzt: starr vor Schreck und ohne Gewalt über seinen Körper, unrinierten die Betroffenen oder erbrachen sich. Viele koteten und verloren den Verstand noch bevor die herzlosen Monstrositäten mit ihrem schrecklichen Ritual begonnen hatten. Denn jeder, der sich hier unten, in diesem Ring von schlanken, schwarz glitzernden Kreaturen befand, stand schon einmal oben in seinem sicheren Versteck und beobachtete von dort aus, wie ein Vertreter seiner Spezies hier unten in den leeren Straßen, den Wächtern in die Arme fiel. Es war nicht schwer zu erraten, welches Schicksal ihn selber in dieser Situation blühte.

Die grauenhafte Hatz begann.

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