Der tägliche Obstkorb

Bei uns auf der Arbeit gibt es einen Obstkorb, der jeden Morgen auf Kosten der Firma mit Äpfeln, Birnen, Bananen, Pflaumen, Trauben usw. gefüllt wird. Dies geschieht i.d.R. so zwischen 08:00 Uhr und 09:00 Uhr. Ca. dreißig Minuten später ist der Korb stets leer. So als ob bestimmte Leute drauf warten um sich augenblicklich auf die kostenfrei dargebotene Nahrung zu stürzen. Auf der anderen Seite ist es auch keine Wunder, dass der Obstkorb immer so schnell leer wird, sieht man doch des Öfteren Kollegen (die, mit der folgend genannten Einstellung, im Volksmund auch Kameradenschweine genannt werden), die sich bei einem Korbbesuch gleich mit mehreren Erzeugnissen der globalen agrarwirtschafltichen Produktion eindecken. Dies finde ich keinen guten Charakterzug.
Gelegen kommt mir dagegen immer, dass der durchschnittliche Deutsche sehr verwöhnt und wählerisch ist, was die Optik des nahrhaften Objektes seiner Begierde angeht. Befindet sich z.B. ein Apfel mit einer minimalen Verfärbung an der Schale im Korb oder liegt eine reife Birne mit einer (bei reifen Früchten unvermeidbaren) Delle von wenigen Millimetern Durchmesser darin, so finden diese Früchte keinen Abnehmer und bleiben bis zum Mittag und länger im Korb liegen. So dass ich mit meinen geringen Anforderungen an das Aussehen meiner Nahrung, oft auch ganz entspannt gegen Abend in den Gemeinschaftsraum schlendern kann und mir eine leckere Vitaminbombe genehmigen darf.
Ein Experiment diesbezüglich möchte ich bei Gelegenheit doch mal versuchen: was passiert, wenn ich gleich um 08:00 Uhr (oder 09:00 Uhr) das volle Obstkörbchen abfange und jeder Frucht eine kleine aber deutlich sichtbare Delle beschere. Hätte ich dann den ganzen Tag reichlich Obst zur meiner persönlichen anspruchslosen Verfügung?

Obstkorb

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