Ein Rendezvous mit Hindernissen

Irgendwann, so im Jahr 1999 verkuckte ich mich in ein Mädel von meiner Arbeit. Sie jobbte dort neben der Schule. Eines Tages war ichin der Sporthalle beim Klettern. Und wie es das Schicksal so wollte war genau dieses Mädchen, nennen wir sie mal Hulia, auch dort. Wir unterhielten uns etwas und verstanden uns dabei sehr gut. Während des Gespräches kamen wir auf das Thema Arbeit und waren uns uneinig wie lange unser Betrieb sonntags offen sei. Da wir uns nicht einigen konnten, wetteten wir um ein Essen: der Verlieren muss den Gewinner an einem Abend bekochen.

Die Woche drauf informierten wir uns über die Öffnungszeiten und stellten fest, dass ich im Unrecht war. Also war es an mir den Kochlöffel zu schwingen. Die nächsten zwei Wochen verbrachte ich Tag und Nacht mit dem Wälzen von Kochbüchern.

Da ich zu diesem Zeitpunkt bei meinen Eltern wohnte, brauchte ich eine Wohnung wo wir einen ungestörten Abend verbringen konnten. Also bat ich eine sehr gute Bekannte darum, mir ihre Wohnung für eben diesen einen Kochabend zur Verfügung zu stellen. Sie sagte zu und so machte ich mit Hulia einen Abend aus an dem ich sie von der Arbeit abhole.

Endlich kam der gewisse Tag. Ich musste selber bis 18:00 Uhr arbeiten, Hulia dagegen bis 20:00 Uhr. Als der Arbeitstag endete, hatte ich immer noch keine Ahnung was ich kochen sollte, demzufolge hatte ich weder etwas eingekauft, geschweige denn vorbereitet. In meiner Verzweiflung beschloss ich einen benachbarten thailändischen Schnellimbiss aufzusuchen, mich dort mit Gerichten einzudecken und das Ganze als mein Eigen zu präsentieren, wir hatten bei der Wette zwar ausdrücklich selber zu kochen ausgemacht, aber was sie nicht weiß...

Gesagt, getan und eine halbe Stunde später war ich mit Tüten voller Styroporschachteln zur der besagten Wohnung unterwegs, die zirka sieben Kilometer von meiner Arbeit lag. Das Unglück nahm seinen Lauf...

Dort angekommen, stellte ich fest das einer der Behälter mit Sauce ausgelaufen war und sich wunderschön auf dem ganzen Beifahrersitz verteilt hatte. Genervt packte ich einen Teil der Tüten aus dem Auto und stellte diese am Straßenrand ab. Dann schloss ich die Fahrertür ab, ging um das Auto herum, öffnete die Beifahrertür und versuchte den Sitz so gut es geht zu reinigen. Meinen Autoschlüssel legte ich währenddessen auf das Armaturenbrett. Nachdem ich die Sauerei aufgewischt und den Sitz notdürftig mit meinem T-Shirt gesäubert hatte, ging es mir besser und ich schloss, etwas entspannter, die Beifahrertür. Leider lag der Schlüssel aber immer noch im Auto.

Wir rekapitulieren: meine Klamotten für den Abend und ein Teil des Abendessens lagen im Auto, das Auto stand an einer Kreuzung im strikten Halteverbot und ich hatte noch weniger als eine Stunde Zeit um das Essen zu richten und Hulia abzuholen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: das Auto war abgeschlossen und der Schlüssel lag drin.

Ich eilte zur meiner Bekannten, erklärte ihr schnell den aktuellen Stand der Dinge und wir fuhren mit ihrem Auto zu meinen Eltern um den Ersatzschlüssel für mein Auto zu holen. Entfernung zehn Kilometer. Auf dem Weg rief ich zuhause an um Bescheid zu geben das ich den Schlüssel benötige. Leider war mein Vater nicht zuhause, er war für die Ersatzschlüssel zuständig.

19:20 Uhr. Ich suchte mit meiner Ma und meiner Schwester das Haus nach dem Autoschlüssel ab.

19:30 Uhr. Wir hatten den Schlüssel gefunden und sausten Richtung Alex' Wohnung.

19:45 Uhr. Dort angekommen nahm meine Bekannte die restlichen Tüten aus meinem Auto, versprach sich um das Herrichten des Essens zu kümmern und ich raste zu der Firma um Hulia zu holen.

20:00 Uhr. Ich stand mit einem penetrant nach Curry stinkendem Auto vor dem Tor meiner damaligen Arbeitsstelle und tat so als ob nichts geschehen wäre. Hulia kam pünktlich, stieg sichtlich irritiert in das Auto und wir fuhren zur Wohnung.

Oben angekommen, öffnete uns meine Bekannte die Tür, verabschiedete sich hastig und verlies die Wohnung. Im Vorbeigehen mich flüsternd drauf hinweisend das das Essen sich in der Mikrowelle befindet. Draußen war die Sonne schon längst untergegangen und wir standen nun in der dunkelten Wohnung. Das einzige Licht fiel warm durch die Glastür aus dem Wohnzimmer. Wir bewegten uns Richtung des Raumes und als ich mit einer einladenden Gäste die Türe aufschwang, erstarrte ich plötzlich bei dem Anblick des Zimmers. Einzig zwei edle Kerzenständer auf dem Esstisch, samt der dazugehörigen Kerzen, beleuchteten den sonst lichterlosen Raum, eine feierlich Tischdecke diente als Grundlage für das perfekt gerichtete Geschirr und Besteck und um die Romantik ins Unermessliche zu treiben, dudelte in Hintergrund ein gefühlvolles Liebeslied. Hatte ich eigentlich erwähnt das Hulias und meine Beziehung sich momentan auf reine Freundschaft beschränkte. Natürlich hatte ich ein oder zwei Mal den Gedanken es könnte sich draus mehr entwickeln, aber musste man denn so mit der Tür ins Haus fallen? Entschuldigungen und Verwünschungen vor mich her stammelnd, schaltete ich sofort die Musik ab um die Atmosphäre wenigstens etwas zu dämpfen. Bei den Kerzen einigten wir uns drauf sie brennen zu lassen. Ich eilte in die Küche, schob das warme Essen aus der Mikrowelle und sauste schnellen Schrittes wieder in das Wohnzimmer, natürlich nicht ohne etwas von der restlichen Sauce auf dem Boden der Küche zu verteilen.

Der weitere Abend verlief recht ereignislos: wir unterhielten uns, witzelten und lachten viel. Schließlich, zwei bis drei Stunden später, beschlossen wir in die Disco zu gehen um den Abend abzurunden. Wir räumten den Tisch leer und standen in der Küche, das Geschirr spülend. "Aha!", höre ich auf einmal Hulias Stimme, ich drehte mich zu ihr um, folgte ihrem Blick und sah den Haufen Styroporschachteln in der Ecke hinter dem Küchentisch gestapelt. "Jetzt weiß ich woher das Essen stammt", bemerkte sie mit einem wissenden Grinsen. Ich lief rot an, wand mich rasch wieder dem Waschbecken zu und tat so als ob ich meine vollste Konzentration benötige um das Besteck zu säubern.

Die Küche war schließlich sauber, wir sammelten unsere Sachen und verließen die Wohnung. Unten angekommen, wollte ich die Treppenhaustür mit einer weiteren galanten gentlemanliken Geste offnen, doch siehe da: "Die Haustüre ist ab 22 Uhr abzusperren! Die Hausverwaltung." Das Schild an der verschlossen Tür gab uns bereitwillig Auskunft. Da war er wieder, der Ich-lasse-heute-abend-alles-schiefgehen-Teufel, denn meine Bekannte hatte ihren einzigen Haustürschlüssel mitgenommen und mein Handy war leer. Unbekannte Nachbarn zur späten Stunde aus dem Schlaf zu klingeln schien uns keine gute Idee zu sein also suchten wir im Keller nach einem Hinterausgang. Der war leider genauso abgeschlossen, doch der Wasch-/Trockenraum hatte zum Glück Fenster, die man von Innen öffnen konnte. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte war: die Fenster lagen ca. 1,80 Meter über dem Boden und hatten eine Breite und Höhe von zirka 30 Zentimetern. Könnte eng werden. Aber wer nicht wagt... Also machte ich eine Räuberleiter, Hulia stieg rauf und zwängte sich mit Mühe und Not nach Draußen. Ich warf die Jacken und Rucksäcke hinterher, sprang und zog mich hoch. Hinter mir strampelten meine Beine hilflos in der Leere, vor mir zog mich Hulia an Händen. Auf einmal gab es einen Ruck, ich segelte in die Freiheit, leider auch einen Meter in die Tiefe. Ich knallte dabei mit meinem Gesicht an der Hauswand, schaute dann aber trotzdem glücklich um mich: schlussendlich waren wir nun doch erfolgreich "ausgebrochen"...

Im Großen und Ganzen war dies der aufregende Teil des Abends. Ob wir zusammenkamen? Nein, im Gegenteil. Als wir dann in dieser Nacht schließlich in der Disco ankamen, war schon beiden klar das wir pärchentechnisch nicht zusammenpassten. Als wir uns das nächste Mal bei der Arbeit sahen, schien sie zu denken ich wollte immer noch was von ihr. Erst blödelten wir zwar weiterhin miteinander, sprachen aber nicht über Gefühle und klärten auch keine die offenen Fragen. So baute sich mit der Zeit eine unüberwindbare Barriere zwischen uns auf und irgendwann konnten wir überhaupt nicht miteinander reden außer den obligatorischen "Hallo" und "Tschüß". Tja so, ist das Leben, man kann sich auch so gut verstehen und so viel Spaß miteinander haben, aber der Mangel an klärender Kommunikation bricht am Ende alle Bänder.

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